Historisches über Neidenbach in der Eifel


Nidinbuch 1177-1977 Neidenbach

von Dr. Josef Hainz


Die Deutung der Flurnamen von Neidenbach

1.       Gallorömische Flurnamen:

a)  Hummerich = humme - rich

Wir finden in dieser Flur die Reste eines römischen Tempels (BJ 57 Seite 65, 87, 62 usw.). Dieser Flurname besteht aus zwei Wortteilen: 1. humme: adeliges Hofgut, adeliges oder klösterliches Hofgut. Das Gut des Römers auf dem Hummerich wurde bei der Landnahme Königsgut, bei der Aufteilung in Gaue kam dieses Land an die Grafen von Malberg. Die Flur Hummerich gehörte mit Bestimmtheit zum Hofgut am Neidenbach, durch die spätere urkundliche Schenkung kam die Flur an das Kloster Himmerod.

2. Wortteil -rich: ist ein Suffix, das die Bedeutung Ort beinhaltet, wo sich etwas befindet, wo sich etwas abgespielt hat, wo eine alte Anlage feststellbar ist.

b)  Pommerich: Fundort römischer Gebäudereste (BJ 23 Seite 204).

Auch dieser Flurname besteht aus zwei Wortteilen

1. -pomm-: Ackerland, Anbaugebiet für Obst, Hausgarten des Guts­hofes.

2. -rich-: siehe Hummerich.

Die Silbe -rich -r + wich

wich: ahd. wich = lat. vicus gehört nach seiner sprachgeschichtlichen Entwicklung eindeutig der gallorömischen Zeit an.

c)  Flur ,,im Öden": Fundort römischer Brandgräber 1. bis 2. Jahr­hundert.

Gräberfelder wurden kaum jemals als Ackerböden benützt, Gräber­felder sind heilige Bezirke, die von allen folgenden Generationen als Schutzbereich Anerkennung fanden.

d)  Flur ,,Grappenbusch": auch dieser Flurname enthält zwei Wortbestandteile;

1. Grappen- = grava gallisch Kies, Sand, Sandbank.

Dieses gallorömische Wort hat sowohl in das Westromanische als auch ins Fränkische als Lehnwort Eingang gefunden.

2. -busch = die moselländischen Belege für diesen Flurnamen zeigen durchweg gallorömische Bedeutung.

e)  Schomerich = Schumerich:

Flur beim Grabenbusch (römischer Gräberbereich). Wir haben wie­der die Wortteile -rich-Vicus, damit war der Schomerich der Sied­lungsbereich für das römische Gräberfeld.

Schumme: Brachland, ein wenig fruchtbares Land, mit Gras be­wachsener Grenzstreifen. In der Nähe der Flur steht der Grenzstein ,,Hasenpfuhl".

f)   Kerdel = via carralis, dieser Weg führte von der Neidenbacher Römersiedlung zur Malberger Römersiedlung, zur Römerstraße. In der Silbe -ker steckt das gallorömische Wort carrus, in Bitburg als Karenweg erhalten.

g)  Koppenweg = Koppelweg: Boden auf dem zwei oder mehrere gleiches Recht haben, Land, das Eigentum mehrerer Personen ist. Lat. copula, rechtliche Bindungen an Nutzungsnießungen der Flä­che. Dieser Flurnamen hat zwar eine lateinische Wortwurzel' stammt aber aus dem Mittelalter, als Neidenbach drei Grundherrn hatte.

2.  Fränkische Flurnamen:

a)  Waxbrunn - born; wax - wag: tiefe Stelle im Wasser, gestautes Wasser, stehendes sumpfiges Wasser, -born: Quelle - Wasserstelle. Dieser Ortsname ist durch zwei Wortteile mit gleicher Bedeutung entstanden.

b)  In der Hausbach: Stelle, wo ein Haus steht, stand oder stehen soll.

c)  Hasselt = Hasselter: Flur, auf der große, starke Haselbüsche wachsen. Auf Hasselt stand der Grenzstein: ,,Hasselstein."

d)  Eselstrift:

1. trift: Trittfläche, Weideplatz für Esel. Die Neidenbacher Stein­pieker verwendeten zum Transport von schweren Hausteinen gerne Esel.

e)  Flur Schneeberg: Schneide = Schneise: Grenze, Grenzlinie, bei der ein Berg als Grenzmarkierung genommen wurde.

f)   Erntehof: Erl - Eerent ist ein Hofbereich im Walde.

g)  Rochenfeld (Wüstung):

1344: ,,Wir Nydais genannt Rodehose von Malberg eyn wohlgeborn knecht und Else sin ehliche husfrouwe dun kunt allen luden und erkennen uffentl ich an diesem brieve, das wir umb unser schinderliche noitdurft und ncz mit bedachten mude mit gesamter hand eyndrechtlichen und von Rate unser frunde verkauft han ... unserem herrn Balwwine Erczembischofe zu Triere, unser eygen gut zu Rochenvelt gelegen in der Parrem Niedenbuch bi Killburg"...

1375:  5. Oktober

Peter von Malberg, Dechant zu Kyllburg, schenkt den Altar St. Nicolaus und Katharina. In der Flur 16 ist ein Flurname, Nickelshof, erhalten.

h)  Podell = heute Rödel;

Roter Boden, Buntsandstein.

In dem Weistum Malberg-Neidenbach vom Jahre 1588 kommt auch eine ganze Reihe von mittelalterlichen und neuzeitlichen FIurnamen vor, diese werden in der Grenzbeschreibung der Grafschaft Malberg angeführt.  

Quellenangabe: Festschrift 800-Jahr-Feier der Gemeinde Neidenbach 1977

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